Unsere erste Online-Schulung

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Vor knapp zwei Monaten standen wir da. Mit unseren auf Interaktion und Praxis ausgelegten Schulungen und einem Veranstaltungsverbot. Wie viele anderen auch stellte uns das vor die Frage: Wie können wir unser Konzept bestmöglich in einem virtuellen Raum übertragen? Es folgte eine intensive Zeit auf vielen Ebenen. Und an dessen Ende: Unser erstes Modul der Agile Coach Ausbildung online, zufriedene Teilnehmer*innen und Trainerinnen.

Die erste Beschäftigung mit dem Thema Online-Schulungen

Schon ein paar Wochen vor den Kontaktbeschränkungen haben wir mit Blick auf die wissenschaftlichen Erkenntnisse und den sich daraus abzeichnenden, logischen Konsequenzen damit begonnen, uns zu überlegen, auf welche Arten und Weisen wir unsere Agile Coach Ausbildung virtuell durchführen könnten. Dafür beschäftigen wir uns damit, was wir technisch beachten müssten, welche Plattformen sich für die verschiedenen Schulungsabschnitte wie praktischen Übungen eignen würden und wie wir mit den zwischenmenschlichen und psychologischen Herausforderungen umgehen könnten, die eine Online-Schulung mit sich bringt. Wir lasen uns in das Thema ein, fragten Menschen, die bereits Erfahrungen gesammelt hatten und besuchten andere Online-Schulungen. So konnten wir Stück für Stück herausfinden, was für unsere Bedürfnisse wichtig ist und worauf wir achten müssten.

Um die Rahmenbedingungen besser kennen zu lernen und das Thema besser einschätzen zu können, veranstalteten wir einen Beta-Test. Wir konzipierten ein etwa zweistündiges Online-Schulung und nutzten die Möglichkeit zu schauen, was funktioniert, was nicht, wo Schwierigkeiten entstehen und welche Aspekte wir möglicherweise bisher nicht bedacht hatten. Und der Beta-Test erfüllte seinen Zweck: Wir lernten eine ganze Menge, verinnerlichten, entschieden uns für eine Meetingplattform und verschiedene virtuelle Tools und begannen die konkrete Planung.

Aus Präsenz wird Online

Zu dem Zeitpunkt standen zwei neue Ausbildungsgruppen mit dem ersten Modul „Agile Experience“ vor ihrem Start in ihre Agile Coach Ausbildung. Christina (die in Online-Schulungen die Trainerin sein würde) und Moni (die die Rolle der Co-Trainerin übernehmen würde) gingen die Aufgabe an, die Lernziele aus drei Tagen interaktive Präsenzschulung in den virtuellen Raum zu adaptieren. Sie arbeiteten gemeinsam im virtuellen Co-Working. Mal im regen Austausch, mal jede für sich. Alle anderen aus dem Veraenderungskraft-Team wurden regelmäßig für ein frisches Paar Ohren oder Augen und einen Test dazu geholt.

Weil unser Terminkalender recht voll und der Schulungstermin bereits vor der Tür stand, entstand innerhalb von wenigen Tagen ein komplett neues, didaktisches Konzept. Eine intensive Phase mit vielen Herausforderungen: Online ist die Aufmerksamkeitsspanne von Menschen deutlich kürzer als wenn sie sich real gegenüber stehen würden. Es bedarf also sehr viel mehr Abwechslung, damit möglichst viele so lange wie möglich dabei bleiben. Auch entstehen durch die räumliche Trennung verschiedenste Kommunikations-Hürden. Ein Raum für Austausch muss aktiv hergestellt werden.

Dazu kommt, dass wir nicht einschätzen konnten, wie die Teilnehmer*innen mit der Technik umgehen können. Das führt zu der Frage: Wie bieten wir Abwechslung, auch in den benutzten Tools, ohne die Teilnehmer*innen zu überfordern oder/und mit Fragen zu Technik unsere Zeit zu klauen?

Unsere Lösung

In unserer Online-Schulung wechselten sich Einheiten, bei denen die Trainerinnen Input gaben, mit selbstständigen Vertiefungssphasen zu bestimmten Fragestellungen, Gruppenarbeiten, Pausen und gemeinsamen Besprechungen ab. Uns war es zudem wichtig, dass sich alle Teilnehmer*innen die komplette Zeit über gegenseitig sehen können.

Um die Teilnehmer*innen frühzeitig mit den Tools und der Technik vertraut zu machen und Hürden abzubauen, veranstalteten wir im Vorfeld an zwei Abenden Test-Online-Schulungen. Wir lernten uns gegenseitig kennen und besprachen die Sorgen und Fragen der Teilnehmer*innen. Einige fürchteten acht Stunden Frontalbeschallung. Durch die Tests konnten Ängste abgebaut und Sicherheit geschaffen werden. So waren am Ende alle offen, den Schritt zur Online-Schulung mit uns zu probieren.

Es ist soweit

Montag der 04.05.2020, 9 Uhr – es ging los. Schnell merken wir, alles funktioniert gut und es kommt zu keinen großen Problemen. Das half gegen die Aufregung. Für alle war die Trainingssituation vor dem Rechner ungewohnt, aber wir arrangierten uns schnell und hatten Spaß. Und bereits am Ende des ersten Tages hatten wir wieder neue Dinge gelernt, die wir direkt auf die anderen beiden Tage übertragen konnten.

Und am Ende freuten wir uns, dass wir unseren eigenem Anspruch gerecht werden konnten. Unser Gradmesser für den Lernerfolg ist die Qualität der Arbeitsergebnisse. Und die haben uns wirklich beeindruckt. In den Gruppenarbeiten entstanden kreative, vielfältige und durchdachte Ideen und wir haben uns wirklich sehr über die tollen Teilnehmer*innen gefreut.

Was Sie für ihrE Online-Schulungen mitnehmen können

Wenn auch Sie aktuell vor der Herausforderung stehen, eine Online-Schulung zu konzipieren und durchzuführen, können Sie also von den folgenden Erkenntnissen profitieren:

  1. Eine achtstündige Präsenzveranstaltung können Sie nicht einfach eins zu eins in eine achtstündige Online-Schulung adaptieren. Planen Sie genügend Zeit ein, die Konzeption anzupassen und rechnen Sie zudem damit, dass vieles im Online-Schulungen länger dauern wird als sie es gewohnt sind.
  2. Frontalbeschallungen und das starre Vorstellen von Power-Point-Folien sind virtuell noch tödlicher als bei Präsenzveranstaltungen. Daher sollten Sie sich genau überlegen, wie Sie fortwährend für Interaktion sorgen können.
  3. Eine Online-Schulung können Sie nicht einfach direkt nach der Begrüßung beginnen. Sie müssen sich in besonderem Maße um die Teilnehmer*innen kümmern und diese abholen. Hier bietet es sich an, im Vorfeld eine Online-Schulung zum Kennenlernen zu veranstalten. Planen Sie zudem mindestens 15 Minuten dafür ein, technische Fragen zu klären und die Teilnehmer*innen auf die kommenden Stunden einzustimmen.
  4. Die meisten Menschen haben Vorbehalte oder Sorgen Online-Schulungen gegenüber. Diesen sollten Sie sich annehmen und lösen. Achten Sie schon bei der Planung (Ankündigung, Einladung, etc.) darauf, möglichst viele Befürchtungen aus der Welt zu schaffen
  5. Trotz aller Versprechungen: Kein Video- oder Online-Schulungstool läuft fehlerfrei. Das sollten Sie im Hinterkopf behalten. Dazu kommt, dass nicht alle gleich gut mit der Technik umgehen können und es zu Unterbrechungen kommen kann, bei denen Sie Hilfe leisten müssen.
  6. Scheinbare Kleinigkeiten – wie schlechter Sound – können große Auswirkungen haben. Besorgen Sie sich daher ein gutes Headset.
  7. Wenn Sie keinen Spaß haben, wird das auch Ihre Teilnehmer*innen abfärben. Vergessen Sie also bei der Vorbereitung nicht, dass auch Sie am Ende positiv in Online-Schulungen gehen sollten.