Wie es zur aktuellen Wirtschaftskrise kommen konnte

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Es ist ja jetzt nicht gerade so, dass aktuell zu wenig Menschen etwas über die Auswirkungen der Corona-Pandemie auf verschiedene Unternehmen und die Wirtschaft sagen oder schreiben. Sie besitzen einen Internetzugang. Sie wissen, was ich meine. Vielleicht ist Ihnen beim Überfliegen der Artikel auch schon das gemeinsame Quasi-Mantra aufgefallen: „Es scheint auch eine Chance in der Corona-Krise zu liegen. Wir müssen nur jetzt handeln.“

Ja. Aber man könnte es auch so formulieren: „Wir haben wirklich komplett versäumt, zukunftsfähig zu werden. Jetzt haben wir die Katastrophe.“ Das wäre ehrlich und würde uns vielleicht den finalen Tritt geben, um jetzt die Notbremse zu ziehen und wirklich etwas zu verändern. Denn mit einer Aussage alleine, ist noch nichts getan. Der Weg von der magischen, Hoffnung versprechenden Chance hin zu einer realen Verbesserung beginnt mit einer ehrlichen Reflexion.

Wie es soweit kommen konnte

Wir befinden uns aktuell in einer Situation, in der unsere Organisations-, Arbeits- und Transportstrukturen nicht mehr so funktionieren, wie wir es gewohnt sind. So etwas kannten wir bisher in diesem Ausmaß in Deutschland seit Jahrzehnten nicht mehr und daher erleben aktuell viele Menschen Ängste oder Sorgen. Sei es die Sorge, dass die Produktion und der Transport von Waren und Lebensmitteln beeinträchtigt werden und eventuell plötzlich gar nicht mehr funktionieren. Oder die Sorge, dass auch die gewohnten Arbeitsprozesse, wie der Kontakt mit Kund*innen oder das Arbeiten in der gewohnten Büro-Umgebung, langfristig nicht mehr funktionieren wird. Oder die Existenzsorgen die entstehen, weil Unternehmen plötzlich (deutlich) weniger Umsatz machen oder wichtige Zulieferungen aus dem Ausland auf sich warten lassen.

Dies alles verursacht eine Kettenreaktion an deren Ende eine Krise wartet. Wir merken gerade, dass die extreme Globalisierung der letzten 15 bis 20 Jahre auch Schattenseiten haben kann. Das wird spätestens jetzt, wo es die meisten am eigenen Leib erfahren, besonders deutlich.

Die NEGATIVSEITEN DER GLOBALISIERTEN WELT

Wenn wir weltweit verteilte Produktions- und Logistikketten aufbauen und diese zum Teil in extrem weit entfernte Länder auslagern, um Kosten zu sparen und zudem in großen Mengen Waren aus Deutschland in andere Länder exportieren und umgekehrt, dann macht uns dies auch in hohem Maße von Faktoren abhängig, die wir nicht mehr selbst in der Hand haben. Sprich: Je mehr potentielle Einflussfaktoren es gibt, desto leichter kann unser System von Außen und Innen beeinflusst und beeinträchtigt werden.

Eigentlich sind die negativen Auswirkungen in einer globalen Welt ja keine neuen Informationen und erklären sich recht logisch. Und dennoch: Während also die deutsche Wirtschaft in den letzten Jahrzehnten mehr und mehr globalisiert wurde, haben wir verpasst, auch in den damit zusammenhängenden Bereichen zukunftsfähig zu werden. Die Strukturen und Prozesse blieben lokal und analog. Wir haben die Digitalisierung nicht voran gebracht. Das rächt sich jetzt.

Was wir verpasst haben, rächt sich nun

Die Liste der Beispiele ist lang. Und ich glaube, jeder von Ihnen kann Beispiele von der Sorte „In Deutschland verfügen nur 3,2% Anschlüsse über Glasfaserkabel“ aufzählen. Aber auch bei der Digitalisierung von Geschäftsmodellen haben die meisten Unternehmen, von Einzelhändler*innen bis zu Konzern, in den letzten 15 Jahren geschlafen. Statt ein E-Commerce System aufzubauen, sind viele beim stationären Handel geblieben. Die zukunftsweisenden Herausforderungen wurden nicht als solche erkannt und verstanden. Dementsprechend wurde ihnen nicht entsprechend entgegengetreten. Statt Arbeitsstrukturen zu digitalisieren und beispielsweise ortsunabhängiges Arbeiten über Cloud-Anwendungen und -Plattformen zu ermöglichen, haben viele lieber die Präsenzarbeit und das Speichern auf firmeneigenen Servern weiter ausgebaut. Anstatt sich selber oder die eigenen Mitarbeiter*innen in digitalen Kompetenzen zu schulen und weiterzubilden, haben viele einfach weitergemacht wie bisher. Statt die einfachsten Verwaltungsprozesse – wie Formulareinreichungen  online zu ermöglichen, werden diese weiterhin größtenteils analog abgewickelt.

Anstatt die wirtschaftliche Hochphase der letzten zehn Jahre zu nutzen, um in Digitalisierung zu investieren und sich für die Zukunft zu wappnen, haben viele Unternehmen versucht, die größer werdenden Herausforderungen durch althergebrachte Arbeitsweisen und Strukturen zu bewältigen.

Die Krise im Kapitalismus

Parallel passierte dies alles in einem Wirtschaftssystem, dessen Vorteile hauptsächlich den Leuten zugute kommt, die ohnehin schon über Privilegien, wie ein hohes Vermögen oder die von Karl Marx so treffend bezeichneten „Produktionsmittel“ verfügten. Während also in den letzten Jahren die Lebenshaltungskosten zusätzlich konstant gestiegen sind, konnte ein Großteil der Bevölkerung keine finanziellen Rücklagen aufbauen, die in einer solchen Krise das wirtschaftliche Überleben sichern könnten. Dass unsere deutsche Gesellschaft anscheinend nicht wirklich auf Solidarität ausgerichtet ist, tut nun ihr übriges.

All das rächt sich jetzt in der aktuellen Krise.

Lesen Sie auch die Fortsetzung dieses Blogartikels: „Wie wir jetzt mit der Krise umgehen können“