Der Stellenwert des Lernens in agilen Organisationen

Share on facebook
Share on twitter
Share on linkedin
Share on whatsapp

Systemdynamik und Organisationsdesign

In den vergangenen drei Tagen waren wir bei einem LeSS-Training. LeSS (Large-Scale Scrum) ist ein Framework, das Scrum auf die Arbeit mit mehreren Teams überträgt. Craig Larman, der das Framework gemeinsam mit Bas Vodde entwickelt hat, hat in seinem Training großen Wert darauf gelegt, dass wir als Teilnehmer verstehen, warum sie LeSS genau so aufgebaut haben und nicht anders. Aus diesem Grund haben wir uns die Systemdynamiken selbst erarbeitet, die in größeren Produktorganisationen gelten. Daraus folgt das Organisationsdesign, das Craig und Bas gewählt haben. Denn es ist eine logische Folge aus dem Verständnis der Systemdynamik in Verbindung mit den agilen Prinzipien.

Breites Wissen schafft Anpassungsfähigkeit

Ein Faktor, der bei unserer Analyse der Systemdynamik immer wieder vorkam, war Wissen. Um genauer zu sein ging es um das Wissen, welches ein Team über die Funktionen des zu entwickelnden Produktes hat. Der folgende Zusammenhang ist für agile Organisationen sehr wichtig: Je mehr Funktionen ein Team gut kennt, desto schneller kann es auf veränderte Marktsituationen reagieren. Denn solch ein Team mit hohem Wissen über das gesamte Produkt kann ohne Verzögerung jene Funktionen angehen, die gerade vom Produktmanagement als die wichtigsten betrachtet werden. Ein vorgelagerter Wissensaufbau ist nicht notwendig. Dies entspricht dem Prinzip einer Spezialeinheit, die sowohl in der Luft als auch zu Wasser und zu Land zurechtkommt. Solch eine Spezialeinheit kann sehr schnell von einer Umgebung zur anderen wechseln, ohne in Vorbereitung investieren zu müssen. Wenn wir nun über mehrere Teams nachdenken, die gemeinsam ein Produkt entwickeln, dann ist es ideal, wenn alle Teams solche Spezialeinheiten sind. Denn dann die Energie aller Teams jederzeit in die aktuell wichtigsten Funktionen gelenkt werden, ohne dass zunächst Wissenslücken überwunden werden müssen. Genau das ist die Anpassungsfähigkeit, die agile Organisationen per Definition anstreben.

Lernen schafft Wissen

Logische Konsequenz ist, dass in einer agilen Organisation das Lernen einen hohen Stellenwert haben muss. Und damit ist nicht oder zumindest nicht nur das Lernen über agile Methoden, Praktiken oder Tools gemeint. Vielmehr ist das Lernen über das Produkt und das Business gemeint.

Konkrete Vorschläge, die Lernen unterstützen

  • Meeting-Formate finden, in denen Wissensaufbau gut gelingen kann. Hierbei helfen gute Facilitatoren.
  • Für Meetings diejenigen Teilnehmer finden, die relevantes Wissen anbieten können. In der Produktentwicklung zählen dazu sowohl Kunden und Nutzer also auch Fach-Spezialisten.
  • Überprüfen, ob in einem Meeting wirklich der notwendige Wissensaustausch zwischen den Beteiligten stattgefunden hat, anstatt anzunehmen, dass Wissen entstanden ist oder die rhetorische Frage „Ist alles klar?“ zu stellen.   
  • Titel abschaffen, denn sie behindern den offenen Austausch zwischen Lernenden und Wissensträgern.
  • Räumliche Nähe für alle Beteiligten schaffen.
  • Räumlichkeiten so gestalten, dass sie Lernen fördern, zum Beispiel durch eine informelles Raumdesign, Helligkeit, Whiteboards.
  • Informationsaustausch durch Dokumente abschaffen. Denn Lernen passiert am besten durch Austausch von Angesicht zu Angesicht. Geteilte Dokumente sind nicht geteiltes Wissen.

Bereits diese kurze Liste zeigt, dass in agilen Organisationen Konzepte und Methoden der Bildungswissenschaften relevant sind, um der Idee der Anpassungsfähigkeit genügen zu können. Beispiele dafür sind die Grundlagen der Neuro-Didaktik oder der Psychologie. Also ist eine Beschäftigung mit den Bildungswissenschaften für agile Organisationen unumgänglich.

Strukturen hinterfragen

Die Liste zeigt jedoch auch wie weitreichend die Konsequenzen sind, die folgen, wenn sich eine Organisation dem Lernen verpflichtet. Denn neben Praktiken finden sich in der Liste strukturelle Elemente, denen Beachtung geschenkt werden muss. Organisationen, die sich der Agilität verschreiben, müssen folglich willens sein, ihre Struktur zu optimieren. Im Falle von klassischen Organisationen, sind damit nicht nur marginale sondern fundamentale Strukturänderungen gemeint, wie beispielsweise die Abschaffung von Titeln.

Lesen Sie mehr über unsere Vorstellung einer agilen Organisation

Close Menu