Inviting Leadership – Warum Führungskräfte einladen sollten

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Nachlese zu einer Schulung mit Dan Mezick

Dan gestaltet seine Schulungen in einem ihm eigenen Stil. Das haben wir schon auf dem Scrum Day vor zwei Jahren bei seiner Schulung zum Thema Open Space Agility erfahren. Wir gingen damals mit vielen neuen Erkenntnissen nachhause. Unter anderem deswegen nutzten wir beim diesjährigen Scrum Day die Möglichkeit, uns mit ihm dem Thema „Inviting Leadership“ zu widmen.

Dan Mezicks Schulung demonstriert wie Einladungen funktionen

Dan heftet – wie immer – eine Themensammlung an die Stellwände im Raum. Ähnlich wie in einem Inhaltsverzeichnis in einem Buch, halten die Stichpunkte den Teilnehmenden so ständig vor Augen, welche Aspekte noch beleuchtet werden müssen. Ist ein Punkt besprochen, wird er durchgestrichen. So bekommt jeder über die Zeit hinweg ein Gefühl dafür, wie weit die Schulung schon fortgeschritten ist und was noch vor uns liegt. Eingerahmt in diesen Ablauf, gestaltet Dan seine Schulung in einer Mischung aus Führung und offenem Dialog, beziehungsweise Fragen und Beiträgen aus der Runde.

Indem er auf diese Art eine Schulung gestaltet, demonstriert Dan bereits das Wesentliche von „Inviting Leadership“. Er formuliert eine Einladung, sowohl zur gesamten Schulung als auch immer wieder zu den einstündigen Abschnitten. Er verdeutlicht ein klares Ziel, das es zu erreichen gilt. Dan definiert gemeinsam mit dem Veranstalter Regeln, an die wir uns halten müssen, wenn wir dabei sein wollen. Er gibt uns ein gutes Mittel an die Hand, um Fortschritt zu erkennen. Und er macht klar, dass die Teilnahme freiwillig ist – jederzeit. Damit sind bereits die essenziellen Aspekte einer guten Einladung erklärt.

Doch warum sollten sich Führungskräfte mit dieser Art von Einladung beschäftigen?

Eine Einladung überträgt Entscheidungshoheit auf den Empfänger und die Empfängerin. Die einladende Person autorisiert die empfangende Person, die nächste Interaktion zu gestalten. Sie kann nicht nur entscheiden, ob die Person annimmt oder ablehnt, sondern auch wie sie das tut und wann. Die einladende Person gibt gleichzeitig ein Versprechen ab, gemäß ihrer Einladung zu handeln. Dadurch kann beim Empfänger ein Engagement entstehen, dass bei Delegation einer Aufgabe nicht im selben Maße entstehen kann. Das Wesentliche dabei ist, dass eine Einladung Entscheidungsrechte verändert. Dadurch wird die Kultur im umgebenden System sofort verändert.

Positiver Nebeneffekt für die einladende Person ist außerdem, dass eine Einladung Feedback produziert. Reaktionen werden offen beobachtbar und geben der Eingeladenen die Möglichkeit zu lernen, wie ein Empfänger der Sache gegenüber steht. Bei Delegation ist dies weit weniger der Fall. Wer delegiert muss damit Leben, dass oft nur eine Ahnung vorhanden ist, wie der oder die andere zur Sache steht.

Nun fragt sich natürlich, warum manche Einladungen nicht zünden. Die Antwort ist relativ simpel: Eine Einladung kann gut oder schlecht gemacht sein. Gut ist sie, wenn sie so gestaltet ist, dass sie ein klares Ja oder ein klares Nein hervorruft. Gut ist sie auch, wenn im Vorfeld ein Gefühl vorhanden ist, dass sie auf Gegenliebe stoßen könnte. Eine schlechte Einladung ist jedoch auch kein Desaster, denn sie bietet die Möglichkeit zu lernen. Zeigt das Feedback, dass zu viel verlangt wurde, dann muss die Einladung eben kleiner ausfallen – damit ein Empfänger und Empfängerinnen die Freiheit haben, die sie damit erhalten, auch guten Gewissens nutzen kann.

Nun könnte man vermuten, dass Führungskräfte nur noch einladen sollten. Dem stellt sich Dan Mezick entgegen. Denn Menschen haben ein Bedürfnis für formale Strukturen. Und damit kommen eben auch verbindliche Vereinbarungen zur Delegation. Die richtige Mischung aus Einladung und Delegation zu finden, ist die eigentliche Aufgabe einer Führungskraft. Sie ist in dieser Hinsicht Designer von Entscheidungsrechten. Gibt es keine formalen Strukturen, in denen dieses Designen möglich ist, herrschen ausschließlich informelle Strukturen, die für Teilnehmer und Teilnehmerinnen im System geheime Regeln mit sich bringen. „Tyrannei der Strukturlosigkeit“ ist die Folge, wie in einem Essay von Jo Freeman mit dem Titel „The Tyranny of Structurelessness“ beschrieben. Der historische Kontext der Frauenrechtsbewegung macht diesen Artikel umso interessanter.

Unser Fazit zu „Inviting Leadership“

Dan Mezick hat in seiner Schulung wichtige theoretische Grundlagen geschaffen, von denen hier nur ein kleiner Ausschnitt erwähnt ist. Zusätzlich blitzten immer wieder praktische Ideen durch, die für unsere eigene Arbeitsweise als Agile Coaches wertvoll sind. Insgesamt thematisch sehr gewinnbringend. Auch Dans Trainingsstil ist es wert, ihn zu erleben, auch wenn er vielleicht nicht für jeden Teilnehmer genügend roten Faden anbieten mag. Wer nun Interesse an dem Themengebiet gefunden hat, dem sei Dan Mezicks Buch mit dem Titel „Inviting Leadership: Invitation-Based Change in the New World of Work“ empfohlen.

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