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or kurzem war ich bei einem Workshop zu Open Space Agility von Daniel Mezick. Die Teilnahme hat sich für mich auf jeden Fall gelohnt. Denn ich habe im Nachhinein häufig über die Inhalte nachgedacht – Dans Ansätze haben also in mir gearbeitet. Und auch seine Art und Weise den Workshop durchzuführen hat mich beschäftigt, ich würde sogar sagen beeindruckt. Als Trainer und Coach hat er es geschafft durch seine didaktischen Mittel den Workshop so zu gestalten, dass es für mich ein nachhaltiges Lernerlebnis war. Er hat den gesamten Tag als Dialog in der Gruppe aufgebaut und hat sein Wissen und seine Erfahrung gekonnt eingebracht. Wer selbst als Trainer arbeitet weiß, dass das alles andere als einfach ist.

Nachdem ich mich nun schon fast als Fan von Dan Mezick geoutet habe, möchte ich in diesem Artikel über seinen zentralen Gedanken reflektieren: Freiwilligkeit ist eine Voraussetzung für Engagement. Der Gedanke ist ganz simpel. Wer etwas aufgezwungen bekommt, ist nicht voll dabei. Wir können uns nicht vorbehaltlos für etwas einsetzen, wozu wir uns nicht frei entschieden haben.

Freiwilligkeit erfahren wir in vielen Lebenslagen und ganz besonders beim Spielen. Zum Mitspielen kann man sich in der Regel frei entscheiden. Einen Zwang gibt es nicht – sonst würden wir nicht mehr von einem Spiel reden. Folglich muss derjenige, der spielen möchte, eine Einladung an andere aussprechen. Bei einem neuen, noch unbekannten Spiel, muss der Einladende zusehen, dass er die Mitspieler motiviert bekommt. Vielleicht so: „Hey, hast Du Lust mit mir mein neues Spiel auszuprobieren? Wir werden viel lachen können, aber auch etwas lernen. Wir bilden erst zwei Teams und fordern uns dann gegenseitig heraus. Nach der ersten Runde können wir dann Pizza essen und danach noch eine zweite Runde spielen. Bring doch einen Freund mit und komm gegen 7 vorbei.“ Ich glaube, Dan wäre mit dieser Einladung zufrieden gewesen. Denn sie enthält ein Ziel – Lachen und Lernen. Sie nennt Regeln und gibt eine Vorstellung, wie der Abend ablaufen wird. Und sie macht klar, dass es hier um eine freiwillige Sache geht. Wer keine Lust hat, kann ohne Sorge ablehnen. Dadurch kann bei den Gästen ein Zugehörigkeitsgefühl entstehen. Durch die Informationen zum Ablauf gewinnen die Gäste Kontrolle über die Situation und sie verstehen wie der Abend fortschreiten wird. Das trägt zusätzlich dazu bei, dass sich alle wohlfühlen können.

Wenn wir nun all diese Merkmale einer guten Einladung weglassen, was passiert dann wohl? Vermutlich wird keiner kommen, es sei denn es gibt einen Zwang. Und wenn es diesen Zwang braucht – wie viel Begeisterung kann dann wohl entstehen? Warum sollten sich Menschen also für eine agile Transformation begeistern können, zu der sie sich nie freiwillig entschieden haben?

Nun muss im beruflichen Kontext nicht zwingend Begeisterung im Spiel sein, dieser Anspruch wäre sicher realitätsfremd. Doch haben wir beim Thema Agilität folgendes Problem: Agiles Arbeiten besteht im Kern aus Selbstorganisation durch Team-Commitment. Da stecken schon mindestens zwei Wörter drin, die darauf hinweisen, dass es nur mit Begeisterung gehen kann: Selbstorganisation und Commitment. Das schließt es aus meiner Sicht aus Agilität verordnen zu wollen. Selbstorganisation und Commitment kann man leider nicht produzieren – kein noch so schlauer Plan wird erfolgreich sein, wenn nicht die Bereitschaft der Menschen gegeben ist selbstorganisiert zu arbeiten.

Es gibt übrigens viele Stimmen in der agilen Welt, die sich ähnlich äußern. Marc Löffler spricht beispielsweise vom Geheimnis passionierter Teams. Tom DeMarco und Timothy R. Lister nannten ihr Buch Peopleware – als Ergänzung zu den Kategorien Software und Hardware. Auch in einem Buch von Kent Beck und Martin Fowler, das ich zuletzt gelesen habe, fehlt der Hinweis nicht, dass Software von Menschen gemacht wird. Auch bei einem Veränderungsprozess stehen die Menschen im Zentrum – Veränderung wird eben auch von Menschen gemacht. Klingt logisch, dass das nur funktioniert, wenn sie freiwillig dabei sind. Dass es andererseits nicht funktioniert, wenn Veränderung verordnet wird, habe ich selbst erlebt und zwar sowohl im beruflichen als auch im privaten Kontext. Und Sie?

Als eine Folge aus dem Workshop mit Dan Mezick mache ich mir nun übrigens noch mehr Gedanken darüber, wie ich gute Einladungen aussprechen kann. Ich meine beobachten zu können, dass es sich positiv auswirkt, wenn ich konsequent Ziel, Regeln und eine Vorstellung zum Verlauf einbette und zusätzlich erwähne, dass die Einladung auf Freiwilligkeit fußt. Mit einem Risiko muss ich dabei allerdings umgehen können: mit dem, dass keiner mitmachen möchte! Aber auch daraus kann ich lernen.

Christina Merz
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Agiler Padavan @ Veraenderungskraft

Im Blog schreibt sie zu Aha-Momenten, die für sie selbst wichtige Erkenntnisse brachten.

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