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u kommst aus dem Urlaub zurück und dein E-Mail-Postfach ist voll. Lohnt es sich jetzt, alle E-Mails zu beantworten oder ist die Hälfte schon veraltet? Vermutlich schon. Denn die Informationen sind deutlich früher entstanden als sie bei dir, dem Empfänger ankamen. Diese zeitliche Verschiebung nennt man Asynchronität. Sie kann Grund für Verwirrung, Unverständnis und Frustration sein – so wie ich das in der letzten Woche erlebt habe.

In einem Scrum-Workshop haben wir folgende Übung gemacht: Zwei Gruppen sollten jeweils ein Stadtmodell aus Lego nach meinen Vorstellungen bauen. Die eine Gruppe sollte die Stadt 15 Minuten lang planen und sie anschließend 15 Minuten lang bauen. Die andere Gruppe sollte direkt mit dem Bauen loslegen. Nach 10 und dann wieder nach 20 Minuten hat die Gruppe Feedback zu ihrem Stand erhalten. So konnten sie ihre Bauweise korrigieren und es entstand ein reger Austausch mit dem Auftraggeber der Stadt. Nicht so bei der ersten Gruppe: Sie bekamen nur einmal Feedback zu ihrem Plan, aber nie zu der tatsächlich gebauten Stadt. So baute die Gruppe eine Stadt, die nicht meinen Erwartungen entsprach. Die Teilnehmer waren verärgert als ich nach Ablauf der 30 Minuten einiges zu kritisieren hatte: Gebäude zu bunt, Größenverhältnisse nicht durchgängig, Lego- und Duplo-Steine gemischt.

Die Teilnehmer konnten die Kritik nicht annehmen. Das lag daran, dass ich die Informationen so lange zurückgehalten habe, bis sie nicht mehr reagieren konnten. Sie lernten so die Auswirkungen von Asynchronität kennen: Solange sie die Informationen nicht hatten, konnten sie konzentriert planen und bauen. Das war für sie so lange sehr angenehm, bis ihnen vor Augen geführt wurde, dass ihre eigene Realität nicht meiner Vorstellung entsprach. Für sie war es dann am einfachsten, die Sinnhaftigkeit meiner Kritik anzuzweifeln.

Die andere Gruppe dagegen konnte dieselbe Kritik annehmen und direkt verarbeiten. Sie bauten die Gebäude nach dem ersten Feedback nicht mehr bunt, passten die Größenverhältnisse an und ließen die zu großen Duplo-Steine weg. Dafür ging es in dieser Gruppe hektischer zu, anstatt angenehm konzentriert.

Solche Situationen erlebe ich häufig in der Projektwelt, wenn in Phasen gearbeitet wird. Geht das Projekt in eine neue Phase über, entstehen Auseinandersetzungen und Frustration. Die Änderungen werden dann meist nur widerwillig erledigt. Ursache ist die Asynchronität in der Kommunikation. Es hilft schon, sich das Problem um die Asynchronität bewusst zu machen. Besser wäre eine kontinuierliche Kommunikation, damit die Ergebnisse früh an die Vorstellungen angepasst werden können.

Christina Merz
IMGP2149 - Kopie (5)

Agiler Padavan @ Veraenderungskraft

Im Blog schreibt sie zu Aha-Momenten, die für sie selbst wichtige Erkenntnisse brachten.

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